Zwei historische Bücher über Fische von Conrad Gesner

10.05.2010 Gerhard Ott

Gesner und Forer Alle Fische, Titel von 1598 - Gerhard Ott
Gesner und Forer Alle Fische, Titel von 1598 - Gerhard Ott
Historische Bücher gibt es meist nur in Antiquariaten. Der digitale Buchdruck macht Jahrhunderte alte Werke für interessierte Leser verfügbar.

Werke vorzustellen, dessen Urheber schon seit über vierhundert Jahren tot ist, ist ein Leckerbissen für den Rezensenten. Der Autor kann sich ja nicht mehr wehren. Deshalb wäre es unredlich, aus der heutigen Sicht der Wissenschaft über die Werke von Conrad Gesner und seiner Übersetzer zu urteilen. Vielmehr müssen die in Nachdrucken allgemein zugänglich gemachten Werke in ihrem geschichtlichen Zusammenhang gesehen werden.

Der Gelehrte Conrad Gesner (1516 – 1565)

Conrad Gesner – auch Gesnerus genannt, weil es in der Renaissance üblich war, seinen Namen zu latinisieren – wurde am 26. März 1516 in Zürich geboren. Manchmal wird sein Name Geßner oder anderen Varianten geschrieben. Er war ein Polyhistor, ein Gelehrter, der viele Fachgebiete bearbeitet hat, praktizierender Arzt, Professor für Physik, Sprach- und Naturforscher. Das Leben Gesners spiegelt die Zerrissenheit der Reformationszeit wider. Sein Vater fiel in der Schlacht von Kappel, bei der Protestanten und Katholiken in einem Glaubenskrieg aneinandergerieten. Nur durch einen Onkel war es ihm überhaupt möglich gewesen, als Sohn eines einfachen Handwerkers eine Schulausbildung zu bekommen. Ohne seine Lehrer und Förderer, wie beispielsweise den Botaniker Johannes Frick und den protestantischen Theologen Oswald Mycenius, hätte er nie Latein, Griechisch und Hebräisch lernen können, Deutsch, Französisch, Italienisch und auch Englisch zu sprechen und Arabisch zu studieren. Als Wissenschaftler hatte er mehrere Professuren in der Schweiz und in Frankreich inne. Rufe nach Nürnberg und an andere deutsche Universitäten lehnte er ab, weil er in seiner Heimat bleiben wollte. Er gründete in Zürich eine Naturaliensammlung und einen Botanischen Garten. Anzahl und Umfang seiner Werke zeugen von seiner unermüdlichen Schaffenskraft. 1564 wurde er geadelt. Gesner verstarb am 13. Dezember 1565 in seiner Heimatstadt Zürich an der Pest.

Conrad von Gesner als Botaniker und Zoologe

Nach ihm ist eine Pflanzenfamilie Gesneriaceae benannt. Aus dieser Familie sind viele Zimmerpflanzen, wie beispielsweise die Gloxinien und das Usambaraveilchen bekannt.

Gesner wurde von Cuvier ein deutscher Plinius genannt, nach Plinius, dem römischen Gelehrten des Altertums. Dieser Beiname ist aber nicht ganz richtig: Gesner war kein Büchergelehrter wie noch vor ihm die Scholastiker des Mittelalters. Er beobachtete und untersuchte die Gegenstände soweit als möglich selbst. Seine Werke schrieb er anschaulich und sachlich. Er bebilderte sie auch ausführlich.

In seinen pflanzenkundlichen Werken erarbeitete Gesner eine botanische Systematik nach Blüten und Früchten. Mit diesem Ordnungsprinzip gilt er als wichtiger Vorläufer von Carl von Linné. Auf jeden Fall ist er auch Mitbegründer der modernen Zoologie. Er räumte ansatzweise bereits mit der Vorstellung mittelalterlicher „Bestiarien“ auf. Auch wenn es noch an der entsprechenden Terminologie und Systematik fehlt, so sortiert Gesner doch zielsicher viele Fabeltiere aus. Er war es, der das Einhorn, ein Tier aus den Märchen des Mittelalters, als Monoceros (Narwal) erkannte. Zwar ist der Satyr, ein zottelhaariger, hörnerbewehrter Mann, noch aufgeführt; dafür macht er aber Schluss mit „einem erdichten Meerpferd": Equus fabulosus Neptuni.

Bücher über Fische von Conrad Gesner und seiner Übersetzer Georg Horst und Conrad Forer

Die Angaben über Fische im Band 4 seiner „Historia animalium" und dem „Vollkommenen Fischbuch“ größtenteils von Pierre Belon und Guillaume Rondelet übernommen. Diese haben die neuzeitliche lchthyologie (Fischkunde) eingeleitet. Berühmte Künstler schufen Stiche und Schnitte für seine Bücher, unter anderem auch Albrecht Dürer. Die aufwendig ausgestatteten Folianten erschienen aufgrund der – auch damals schon – hohen Druckkosten fast alle erst nach seinem Tode. Seine Enzyklopädien über die Fische hat Konrad Gesner selbst nicht mehr gesehen.

1598 erschien – von Conrad Forer bearbeitet – das Buch „Alle Fische“. Der Untertitel lautet in der damaligen Sprache: „Eine ausführliche Beschreibung und lebendige Conterfactur aller und jenen Fischen, von dem kleinsten Fischlein an bis auf den größten Walfisch, wie sie nicht allein in dem großen Meer, sondern auch auf See, Flüssen, Bächen und allen fischreichen Gewässern gesehen und gefangen werden, samt derselben Nutzbarkeit und Güte, sowohl in Essensspeiß und Küchen als in Arznei und Apotheken“.

Das Gesnersche Werk „De piscium et aquatalum natura" ist von Georg Horst ins Deutsche übersetzt und bearbeitet worden zum „Vollkommenen Fisch-Buch“ und 1670 erschienen. In ihm werden alle Tiere behandelt, die damals zu den Fischen gezählt wurden. Also Fische im weiteren Sinne und die Walfische, die ja bekanntlich Säugetiere sind. Schildkröten, Kopffüßer (damals Kuttelfische und englisch heute noch „jellyfish“ genannt), Krebse und Muscheln zählen ebenso dazu. Etwa ein Drittel des Werkes beschäftigt sich mit den Schlangen und Echsen (Drachen und Basilisken).

Dieses Buch aus dem Jahre 1670 gibt es in Original in einigen Museen und selbst für engagierte Sammler zu teuer. Es ist 1981 in Foliantengröße nachgedruckt worden, heute allerdings auch nur noch antiquarisch zu erhalten. Das Buch über „Alle Fische“ von 1598 gibt es jetzt als Nachdruck, wobei das durch digitale Drucktechnik ermöglichte „book-on-demand“-Verfahren seine Vorteile ausreizen kann.

Conrad Gesner & Georg Horst: Vollkommenes-Fischbuch. Schlütersche Verlagsanstalt Hannover 1981. Nachdruck der Originalausgabe von 1670. Gebunden. 392 Seiten.

Conrad Gesner & Conrad Forer: Alle Fische. Salzwasser-Verlag Bremen (BoD) 2009. Nachdruck der Originalausgabe von 1598. Gebunden, 202 Seiten. Euro 98,–

Urheberrecht: Gerhard Ott. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

  • Gesner und Forer Alle Fische, Titel von 1598 - Gerhard Ott

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  • Gesner und Forer Alle Fische, Nachdruck von 2009 - Salzwasser-Verlag

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  • Gesner Vollkommes Fischbuch Originaltitel  - Gerhard Ott

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  • Gesner Vollkommes Fischbuch Titel des Nachdrucks - Schlütersche Verlagshandlung

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